Lebe so,
als ob du zum zweiten Male lebtest
und das erste Mal
alles so falsch
gemacht hättest,
wie du es zu machen –
im Begriffe bist!

Viktor E. Frankl




 

 


 GEWALTPRÄVENTION
Ein EU-Projekt — Ein Friedensprojekt?

 

Dr. phil. Peter Amann



Was ist das Problem?
Gewaltszenarien beherrschen immer mehr den medialen Alltag. Von den kleinen versteckten aggressiven Szenarien in Familien und familiären Wohngruppen, bis zu verstecktem und auch offenem Mobbing in Betrieben, öffentlichen Organisationen bis zur harten zerstörerischen Gewalt: die mediale Vermittlung des Phänomens Gewalt ist ein beinahe allgegenwärtiges, und zugleich überraschendes Phänomen in unserer hochentwickelten Wohlstandsgesellschaft. „Gewalt“ teilt in der medialen Darstellung die Gesellschaft in Täter und Opfer. Medial vermittelte Gewaltphänomene lösen – in welcher Form auch immer - Ängste bei den möglichen und tatsächlichen Opfern aus. Die tatsächlichen Opfer müssen, um weiterleben zu können, die erlebten Ängste sehr oft verdrängen und die erlittene Angst von der bewussten Persönlichkeit abtrennen. Denken wir beispielsweise an missbrauchte Kinder, die oft nach Jahrzehnten des Verdrängens sich
immer noch sehr schwer tun, über den erlittenen Missbrauch zu sprechen. Werden diese verdrängten und von der Persönlichkeit abgespaltenen Anteile nicht aufgearbeitet und keine zukunftsgerichteten Strategien entwickelt, können die verdrängten Anteile die Persönlichkeit hemmen und in der Entfaltung des eigenen vollen Potentials ein Leben lang einschränken. Aus gegebenem Anlass kann dann ein Opfer selbst auch zum Täter werden. Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Ein 26-jähriger Mann, der selbst, als fremdsprachiger und drogenabhängiger Immigrant zum Aussenseiter wurde und der den dreijährigen Cain tötete, erklärte seine grausame Tat so: „Wenn die beiden Buben nicht folgsam waren, bin ich wütend und aggressiv geworden. Mein Gehirn stellte sich ab. Ich sehe dann schwarz. Ich möchte dann nur noch etwas kaputt machen, damit meine ich Gegenstände. Mein Körper macht dann alles von selbst. Ich kann nichts mehr steuern. Ich wollte ihn (den 3jährigen Cain) nicht verletzen, ich wollte bestrafen, um ihm beizubringen, dass das, was er gemacht hat, falsch ist.“
Diese Selbstanalyse eines Täters zeigt im Selbstverständnis dieses Mörders, das ungeheure Zerstörungspotential, das in einem Menschen verborgen sein kann. Wie kann dieses Phänomen erklärt, besser – wie kann dieser gefährlichen und Angst machenden Entwicklung präventiv begegnet werden?
Reicht eine Analyse des Problems, dem kausalen Prinzip von Ursache (Wut und Aggression) und beabsichtigter Wirkung (etwas beibringen) folgend, aus, um das Phänomen Gewalt ausreichend objektiv erklären und subjektiv verstehen zu können?
Die Analyse kann verschiedene Einzelursachen des Problems durch wissenschaftliche Methoden untersuchen. Sie kann den genetischen Code, die biologischen, die psychologischen, soziologischen und sozioökonomischen und andere Ursachen einzel- wissenschaftlich untersuchen und die Ergebnisse zu einem Ursachen-Mix miteinander verknüpfen, um eine Disposition zur Gewalt darzustellen.
Es stellt sich jedoch angesichts der akuten medial vermittelten Gewaltszenarien die Frage nach der Wirksamkeit und konkreten Umsetzbarkeit solcherart gewonnener Erkenntnisse im konkreten Alltag der „HelferInnen“ (Eltern, Geschwister, PädagogInnen, PolizistInnen) und aller Personen, die beruflich und privat mit dem Gewaltphänomen konkret konfrontiert werden. Darüber hinaus sollte der Frage nachgegangen werden, wie können die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen so verändert werden, dass ein gewaltfreies Miteinander vor allem der Heranwachsenden ermöglicht und durch konkrete Massnahmen verbessert wird.

Dazu einige Fragen mit möglichen Antworten: