Lebe so,
als ob du zum zweiten Male lebtest
und das erste Mal
alles so falsch
gemacht hättest,
wie du es zu machen –
im Begriffe bist!

Viktor E. Frankl




 

 


Aus dem Forschungsinstitut für sinnzentrierte Kinder- und Jugendtherapie

Kurzbericht von Uwe Willscheid

Das Institut wurde 2013 in Wels OÖ gegründet um eine systematische Erfassung aller Daten aus den laufenden Therapien und neu entwickelter Methoden zu gewährleisten. Da wir keine Forschungsgelder erhalten, waren wir von Anfang an auf die Mithilfe von Studenten der Psychotherapie und Psychologie angewiesen, die Ihre Arbeit im Rahmen von Praktikas bei uns ableisteten, die von den öffentlichen Universitäten sowie von der Sigmund Freud Privatuniversität auch angerechnet wurden

Im nunmehr vierten Jahr unserer Arbeit erhalten wir genügend Anfragen für Praktika um unsere Arbeit kontinuierlich fortzusetzen.

Im Jahr vor der Gründung und zum Beginn der Arbeit stand die Frage im Vordergrund, „Enthält die Logotherapie und Existenzanalyse überhaupt eine Kinder und Jugendtheorie ?“

Nach aufwendigen versuchen und Literaturrecherche musste wir diese Frage mit einem klaren Ja und Nein beantworten.

 

Zum Stand vor vier Jahren

 

Frankl selbst kann als Begründer der Jugendberatungsstellen in Österreich gelten, die er nach dem Modell des Berliner Bankiers Hugo Sauer, in den 1920 er Jahren zunächst in Wien etablierte. Die Liste der Persönlichkeiten die er für dieses Projekt gewinnen konnte liest sich wie ein Who is Who der damaligen Psychiatrie und Psychologie :

August Eichhorn, Willhelm Börner, Rudolf Dreikurs, Hugo Lukacs, Charlotte Bühler etc.

Selbst der Systemische Gedanke war Frankl schon in den 1920 er Jahren durchaus bewusst. An verschiedenen Stellen hat er darauf hingewiesen dass Störungen und Konflikte in der Beratung nicht einfach individualisiert und pathologisiert werden dürfen, sondern gerade bei Kindern und Jugendlichen mit dem sozialen Umfeld vernetzt werden müssen.

Das Kinder und Jugendliche in Anfangsjahren Frankls also noch durchaus eine Rolle spielten ist nicht von der Hand zu weisen, doch wurde von ihm selbst dieser Weg nicht weiter verfolgt und so stand in den folgenden Jahrzehnten das Ziel der Logotherapie eine Weltweite Geltung zu verschaffen an erster Stelle.

Den Schüler der folgenden Generationen blieb es überlassen die „Aufräumarbeit“ im Sinne T.S. Kuhns zu übernehmen, oder wie E. Lukas es einmal ausdrückte :

Dem Meister sei der große Wurf gelungen, den Schülern bliebe es nun überlassen diesen in ein handhabbares System zu bringen.

Kinder und Jugendliche gerieten erst im Zuge der Arbeit von Johanna Schechner und Heidi Zürner wieder in den Focus logotherapeutischen Interesses.

Mit ihrer Arbeit zur Logopädagogik, einer pädagogischen, psychologischen und diagnostischen Kompetenzerweiterung für pädagogische Berufe einschließlich Konflikt- und Beziehungsfähigkeit, gerade auch im Hinblick auf Eltern- und Erziehungsberatung,haben sie eine sehr beachtliche Leistung vollbracht.

 

Zur Entwicklung unseres Modells

 

Was hat die Entwicklung einer logotherapeutischen Kinder-und Jugendtherapie bisher eigentlich verhindert ?

Unbestritten arbeitete Frankl schon in den 1920 Jahren zumindest mit Jugendlichen.

Heute übernehmen Logotherapeuten Methoden anderer Schulen, adaptieren sie und haben ihren Frieden damit gemacht indem sie meinen, dies alles ja auf der Grundlage des speziellen Menschenbildes zu tun. Es bleibt jedoch immer ein „ mulmiges Bauchgefühl „ . Wo kommt dieses Gefühl her und wie ist es zu benennen und aufzulösen ?

Uns kommt vor, das es in der Logotherapie selbst liegt. Die explizite Schau auf die Vergangenheit , jene Selbsterfahrung die auch vergangenes aus Kindheit und Jugend mit einschließt, war für Frankl ein regelrechtes Tabuthema.

Dr. H. Raskop schreibt in ihrer Dissertation :

Nachdem die Selbsterfahrung im Zuge der amtlichen Zulassung der Ausbildungspläne gefordert wurde und ein 200 Stunden-Deputat anstand, kam es zum (historischen) Eklat mit Frankl. Die weitgehend harmonische und intensive Zusammenarbeit, in der Frankl Längle sicher als Hoffnungsträger seines Werkes gesehen hat - manches lässt darauf schließen auch als "geliebten Sohn", dem er vieles anvertraut hat - dauerte kaum länger als etwa sechs Jahre mit zum Ende hin zunehmenden Spannungen. Ein geplanter Kongress im Jahre 1990 aus Anlass von Frankls 85. Geburtstag konnte schließlich wegen brisanter unausgetragener Differenzen nicht stattfinden. Auch eine von Frau Frankl Ende 1990 angeregte grundlegende Aussprache- und Bereinigungsmöglichkeit fand erst gar nicht mehr statt. Differenzen habe es immer gegeben über "den Austausch mit anderen Psychotherapierichtungen, den V. Frankl für nicht angebracht hielt". Und: es ging immer um "Selbsterfahrung", die Frankl systemisch verhindern wollte. Wie existentiell und lebenswichtig Frankl dies persönlich war, lässt sich besonders daraus ermessen, dass er lieber Längle als Intimus und Hoffnungsträger verlor, als dass er den Schutzwall der verletzten Seele im System der Logotherapie aufgegeben hätte. Und so kam nur noch ein eingeschriebener Brief an Längle und die GLE, in welchem Frankl seinen Ehrenvorsitz zurücknahm mit der Begründung, nicht länger mitverantwortlich sein zu wollen, so wörtlich, "für Dinge, die ohne mein Wissen geschehen und zum Teil meinen Intentionen sogar widersprechen".

In einer kurzen Nachlieferung von Gründen hieß es, so Längle wörtlich: "Die Personale Existenzanalyse sei nicht mehr Logotherapie." Und: es sei "im Interesse der Ausbildungskandidaten und der Patienten, dies deutlich zu deklarieren." Auch: "ein Ausmaß von Selbsterfahrung von über 250 Stunden in der Ausbildung sei 'absolut-anti-logotherapeutisch' und führe zum Verfallen der Selbst-Transzendenz.“

(A.Längle zitiert in Raskop : Dissertaion DIE LOGOTHERAPIE VIKTOR E. FRANKLS Eine systematische und kritische Darstellung mit einer Skizze zu einem alternativen Religionsverständnis)

Dieser Teil stammt aus der mir vorliegenden Originalfassung der Dissertation von 2002.

Liegt hier ein Teil des Dilemmas ? Wenn wir uns an eine Logotherapeutische Kinder-und Jugendtheorie heranwagen, anerkennen wir gleichzeitig auch das es sehr wohl Erfahrungen und Verletzungen aus der Kindheit gibt, die bis ins Erwachsenenalter ihre Spuren hinterlassen, und damit auch zwingend einer psychotherapeutischen Bearbeitung zuführen müssen. Natürlich haben wir das in der Praxis schon immer getan in der Theorie kommt jedoch selbst in der Existenzanalyse eine Rückschau nicht vor. Immer ist sie gerichtet auf die Gegenwart, eine Analyse auf die gegenwärtige Existenz hin. Der Beigeschmack, dass wir im Grunde damit einer von Frankl selbst vehement abgelehnten tiefenpsychologischen Betrachtung, und letztlich dann auch Methoden, durch die Hintertür den Weg ebnen könnten, bleibt dabei.

Die Logotherapie und Existenzanalyse verfügt (noch nicht) offiziell über eine dezidierte Kinder- und Jugendtheorie.

Ich erinnere mich noch wie mir meine Praxisbegleitung während meiner klinischen Praktika auf der Kinderstation einer psychiatrischen Klinik ausführlich erklärte warum Logotherapie für Kinder gänzlich ungeeignet sei. Das sei doch „ viel zu philosophisch, vergeistigt und für Kinder und Jugendliche nicht erfassbar „ meinte sie. Dankenswerter Weise ließ sie mir große Freiräume um das selbst herauszufinden.

Nun ist Logotherapie keineswegs so „abgehoben“ und vergeistigt wenn man sich ein wenig Mühe macht und die Grundlagen an die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen anpasst.

Was braucht es also um eine tragfähige Kinder und Jugendtherapie zu entwickeln ?

Zunächst einmal müssen wir wir uns mit der Dimensionalontologie beschäftigen.

 

Eine ( etwas) andere Dimensionalonthologie

Always listen to experts. They'll tell you what can't be done, and why. Then do it.

Im Logotherapeutischen Menschenbild das seinen Ausdruck in der Dimensionalontologie findet , beschrieb Frankl die Lehre vom menschlichen Sein in seiner Ausdehnung und Abmessung in den verschiedenen Ebenen. Gemeint ist die Dreidimensionalität des Menschen mit einer körperlichen, psychischen und geistigen Ebene.

Wir müssen wohl davon ausgehen das diese Dreidimensionalität von Anfang an vorhanden ist, da eines ohne das andere nicht vorstellbar ist. Eine andere Frage ist dann jedoch ob, und wie sich diese bei Kindern und Erwachsenen unterscheidet

Dr. M. Lowenfeld hat hier das Modell der „ three Channels „ vertreten, das sich zunächst nicht wesentlich von der Frankl`schen Dimensionalonthologie unterscheidet.

Es gibt jedoch gewisse Unterschiede in die sich aus den entwicklungspsychologischen Erkenntnissen Lowenfelds, hier insbesondere dem von ihr beschriebenen Protosystem, ergeben.(Selected Papers of Margaret Lowenfeld, Sussex Academic Press 1988 S. 94 ff)

So nimmt Lowenfeld an das die Ausbildung der körperlichen, psychischen und geistigen Dimension gewissen Prioritäten unterliegt. Alle drei Ebenen entwickeln sich natürlich von Anfang an.

Zunächst ist jedoch die Entwicklung des Körpers wesentlich, später dann die der Psyche und zuletzt steht dann die geistige Entwicklung im Vordergrund. In einer grafischen Darstellung kommt dann zu folgendem Ergebnis :


 

Wie in diesem Modell deutlich wird, ist die Kinder/ Jugendzeit differenzierter zu betrachten.

Das Psychophysikum ist in Wachstum und Entwicklung befindlich, während die geistige Dimension ihrer Entdeckung und Reifung entgegensieht.

Ist denn die geistige Dimension nicht von Anfang an in vollem Umfang vorhanden? Ist nicht gerade dieser Umstand ein Kernstück der Frankl´schen Lehre ?

Nun, der Erwachsene Mensch befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen seiner psychophysischen und geistigen Dimension. Dieses Phänomen wird von Frankl als „noo-psychischer Antagonismus“ bezeichnet und beschreibt die grundsätzlich gegebene Chance des Geistes, sich von allen äußeren Umständen loszusagen oder zumindest zu diesen „Stellung“ beziehen zu können. Und in diesem Satz finden wir auch die Antwort auf unsere Fragen. So wie der Körper wächst, die Psyche sich entwickelt, genau so muss auch die geistige Ebene heranreifen und entdeckt werden. Das „Geistige in uns“, das „emotionale Geistige“, das „spezifisch Humane“ braucht Zeit, um sich zu manifestieren schreibt Frankl und legitimiert damit eine solche Betrachtungsweise wie sie hier vorgeschlagen wird.

Denn wenn dies schon für einen erwachsenen Menschen gilt, so gilt es umso mehr für den heranwachsenden Menschen. Dieses Modell hat einerseits den Vorteil einer größeren Verständlichkeit zum Ablauf der kindlichen Entwicklung und bietet andererseits in Verbindung mit dem logotherapeutischen Säulenmodell das im Folgenden vorgestellt wird, auch Möglichkeiten einer eigenständigen logotherapeutischen Kinder-und Jugenddiagnostik, und gibt damit dem Therapeuten hilfreiche Anhaltspunkte für eine effektive logotherapeutische Intervention. Die zweite Grundlage ist das therapeutische Säulenmodell das die Grundlagen der Therapie, der Therapieziele sowie spezifischen logotherapeutischen Aspekte erläutert :

 

Eine ausführliche Besprechung der Modelle würde den Rahmen dieser kurzen Arbeit sprengen. Wir beschränken uns daher auf ein paar wesentliche Punkte. Auch die therapeutischen Säulen werden nur kurz am Beispiel der ersten Säule expliziert.

Das Fundament

...........Beginnen wir mit der Liebe und der Geborgenheit. In der Grafik gelb umrandet, stellt sie den ersten Sockel und gibt uns damit schon einen Hinweis auf ihre Wichtigkeit. Ähnlich den Stufen der Bedürfnispyramide nach Maslow, finden wir das Grundbedürfnis nach Liebe und Geborgenheit auf der ersten Stufe.

Geliebt zu werden, sich geborgen zu Fühlen,die Sehnsucht nach diesem Zustand liegt in den Wurzeln der Menschwerdung. In einer friedvollen „kleinen und großen“ Welt heranwachsen zu dürfen und auch eine gleichmäßige psychische Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen zu erleben, ist ein Geschenk. Mancher Mensch, der später keinen Halt im Leben findet, dem der „Boden unter den Füßen weggezogen wird“, der „Nicht allein sein kann“ und sich deshalb immer wieder in schwierigen Lebenssituationen befindet, hat in einer entscheidenden Phase seines Lebens von diesen Gefühlen zu wenig bekommen.

Angstfreiheit und Sicherheit heißt die zweite Stufe unseres Fundaments.

Vorübergehend oder gar dauerhaft mit Angst und ohne Sicherheit leben und aufwachsen zu müssen ist ein weiteres, häufig auftretendes Problem bei Kindern und Jugendlichen. Eine Umfassende Beschreibung dieser Stufe würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Doch soll der Begriff der Umfeldarbeit, die ohnehin einen nicht geringen Teil unserer Arbeit in der Kinder und Jugendtherapie ausmacht, hier noch einmal besondere Erwähnung finden.

Die dritte Stufe unseres Säulenmodells beschäftigt sich mit Orientierung und Führung.

Ohne klare Regeln, ohne Struktur stehen Kinder und Jugendliche oft vor schier unlösbaren Aufgaben die sie dann mit ihren äußerst begrenzten Möglichkeiten zu lösen versuchen.

Dr. Michael Winterhoff, ein deutscher Kinder-und Jugendpsychiater stellt die Frage ob Kinder dazu verdammt sind, kleine Erwachsene zu sein und was es mit ihnen macht, wenn dies tatsächlich so ist. Und welche Konsequenzen Eltern und letztlich auch Pädagogen und Therapeuten daraus ziehen sollten. Tatsächlich glaube ich auch das wir Kinder viel zu früh und viel zu unbedenklich in eine Selbstverantwortung entlassen der sie aufgrund ihrer psychischen und geistigen Reifungsstadien nicht gewachsen sind, ja gar nicht gewachsen sein können.....................(Michael Winterhoff, München 2010)

 

..............Die therapeutischen Säulen

Mit der Besprechung der Therapeutischen Säulen, steigen wir gleichzeitig auch in die Fachspezifische logotherapeutische Kinder und Jugendtherapie ein .

Wenn die folgende Liste auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, so stellt sie doch zumindest einen vorläufigen Abschluss unserer Überlegungen dar. Eine logotherapeutisch geprägte Kinder und Jugendtherapie muss sich grundsätzlich mit folgenden Fragen und Themen beschäftigen :

  • Menschenbild als Grundlage allen Handelns

  • Entwicklungspsychologie und Entwicklungstheorien

  • .KindgerechteTherapie – kinderspezifische Methoden und Materialien

  • Spezielle Methodik und Techniken

  • Ethische und rechtliche Grundlagen

  • Das Setting in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

  • Entwicklungsstörungen und -pathologie

  • Familienarbeit

  • Diagnostik und Indikation

 

1. Säule - Freiheit des Willens :

Die Logotherapie sieht den Menschen als willensfreies Wesen, das auch zu inneren und äußeren Bedingungen Stellung nehmen kann. Diese Freiheit ist begründet in der geistigen Dimension des Menschen, die neben Körper und Psyche seine eigentliche Personalität und Würde ausmacht. Als geistige Person ist der Mensch nicht mehr nur abreagierendes oder reagierendes, sondern vor allem agierendes und gestaltendes Wesen. Die Freiheit des Menschen spielt in der angewandten Psychotherapie eine entscheidende Rolle, insofern sie dem Patienten Freiräume gegenüber der somatischen oder psychischen Erkrankung aufschließt.

Was bedeutet dies im Kinder und Jugend Kontext ?

Wir sehen auch ein Kind nicht nur als bedingtes, sondern auch als grundsätzlich entscheidungs- und willensfreies Wesen, das befähigt ist, zu inneren (psychischen) und äußeren (biologischen und sozialen) Bedingungen, eigenverantwortlich Stellung zu nehmen. Kinder sind durchaus in der Lage mit Hilfestellungen und gezielten Fragen zu ihren Bedingungen Stellung zu nehmen, ihr psychisches, ja sogar ihr soziales System zu beeinflussen und zu verändern.

Die Umsetzung in der Therapie wird uns durch die Korrelation zu den schöpferischen Werten gegeben :

Durch das Schaffen von etwas Wertvollem setzt der Mensch Werte in die Welt und erlebt sich selbst dadurch als sinnvoll. Unter diesen Werten, auch „Schaffenswerte“ genannt, wird im Allgemeinen die Welt des aktiven Gestaltens mit Arbeit, Beruf und Freizeit verstanden...................

 

.................Die schöpferischen Werte

Am Anfang war der Sinn, und siehe, der Sinn war die Tat. ( V. Frankl )

 

Und die Tat, möchte ich hinzufügen, hat für Kinder einen immensen Wert.

Gameboy, Computer, Playstation, DVD und Video – Wii, MP3 Player, Handy und Laptop sind die äußeren Anzeichen einer Kindheit in der sich „ zu Tode amüsiert wird „ .

(Postman N. 1985 )

Tatsächlich haben die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für jenes erfüllende „ Tätig sein“ einen enormen Wandel erlebt.

Die klassische ( Erwerbs) Arbeit in der man sich selbst als tätig, Sinn – und Wertvoll erlebt

hat für Kinder keinen großen Stellenwert. Abgesehen von der Schule, der man jedoch ein eigenes Kapitel widmen müsste, stehen Kreativität und Kunst bei Kindern im Vordergrund. Dabei geht es im therapeutischen Kontext natürlich nicht um das Vermitteln
von künstlerischen Techniken, sondern um das Schaffen von Gelegenheiten für das eigene Erproben, Entdecken, Erkunden und Spielen. Und selbstverständlich auch um das Ausdrücken von Gefühlen und Emotionen.

Durch kreative Prozesse, durch das selber Erbauen, Erschaffen oder Kreieren, wie durch das selber Anpacken, wird das Selbstwertgefühl der Kinder gestärkt. Durch den schöpferischen Prozess lernen die Kids mitgestalten und mitmachen.
Sie spüren, dass sie nicht wirkungslos sind, sondern etwas tun können, etwas bewegen können.
Während des kreativen Prozesses können Kinder zudem Erlebnisse verarbeiten, verdauen sozusagen. Kreativität trägt wesentlich zu einer gesunden Entwicklung der
Kinder bei............................

................Die Leistungsfähigkeit

Im allgemeinen Kontext wird dieser Begriff mit kognitiver, körperlicher/ motorischer Leistung assoziiert.

Die Logotherapie fasst den Begriff der Leistungsfähigkeit insgesamt sehr viel breiter auf als in anderen therapeutischen Systemen. Erweitert um die geistige Dimension wird auch das Ertragen von Leid, die aktive Auseinandersetzung mit Angst, Schuld, Trauer, oder dem Schicksal als Leistung im Dialog mit der geistigen Dimension gesehen.

Oft hörten wir, das man Kindern solche Begriffe nicht nahe bringen kann und das sie damit ja gar nichts anfangen könnten.

Nach unserer Erfahrung ist die Auseinandersetzung mit diesen Begriffen für Kinder gar nicht so schwierig .

So haben Kinder z.B. durchaus eine Vorstellung vom Schicksalsbegriff : „ das ist was, wo man nix dagegen machen kann, das passiert einem einfach so „( Jannik 8 J. )

oder vom Leidensbegriff : „ das ist was das passiert manchmal, da kann man dann ganz traurig sein aber man muss das aushalten „ ( Tobias 7 J. )

Die Arbeit mit dem Säulenmodell hat sich in der täglichen Praxis als sehr hilfreich erwiesen und Eltern die man mit Hilfe dieses Modells über die Probleme ihres Kindes aufklärt bestätigen das sie nun erstmalig wirklich verstanden haben „was mit ihrem Kind nicht stimmt“ und vor allem was sie selbst tun können um zu einer baldigen Genesung beizutragen.

Da die geistige Dimension im Kinder und Jugendkontext oft nicht, oder nicht richtig verstanden wird möchte ich noch eine kurze Definition hinzu fügen.

Die geistige Dimension befähigt den Menschen, zu sich selbst und zu seiner Umwelt Stellung zu nehmen - vorausgesetzt, er nutzt dieses Potenzial. Das geistige Potenzial unserer Person zu nutzen, heißt: "frei sein, fähig sein, die Fragen, die das Leben mir stellt, zu beantworten und dadurch das Leben zu verantworten und zu gestalten.“

Es heißt also auch befähigt zu sein, zu sich selbst zu kommen, sich gegenüber seinen Bedingtheiten zu verhalten und sich über sich selbst hinaus auf Sinn und Werte ausrichten zu können. Seinen Ausdruck findet das Geistige in der Freiheit und Verantwortlichkeit des Menschen sowie in seiner Fähigkeit zur Selbsttranszendenz und Selbstdistanzierung.

Die Fähigkeit zur Selbsttranszendenz beweist ein Kind mit Impulskontrollstörungen z.B. dann wenn es in der Lage ist diese Impulse zu kontrollieren.

Die Oma sagt sie ist sehr traurig wenn ich so gemein bin. Deshalb versuche ich bei der Oma nicht so wild zu sein“.

Hier versucht das Kind in einem selbsttranszendenten Akt jemand anderem zuliebe etwas nicht zu tun.

Wenn die Mama stundenlang in der Küche gekocht hat, freut sie sich wenn ich ihr beim Aufräumen helfe“. Auch dies wäre ein selbsttranszendenter Akt.

 Ich habe gelernt nicht jedes mal so zu tun als hätte ich Bauchschmerzen wenn ich nicht in die Schule gehen will. Ich kann jetzt darüber reden was mir Angst macht und das hilft mir sehr“. Dies wäre eine klassische Selbstdistanzierung.

Neben der Entwicklung von Modellen haben wir einen umfangreichen Methodenkatalog entwickelt der die logotherapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen begleitet.

 

Weitere Forschung

Im Oktober 2016 haben wir mit einer Langzeitstudie zur Wirksamkeit unseres Konzeptes begonnen, die 2018 beendet sein soll.

Bis heute ( Stand August 2017 ) wurden 22 Fallstudien abgeschlossen und wir können schon jetzt sagen das die Wirksamkeit unseres Konzeptes nachweisbar ist.

Die Studie orientiert sich an den Verfahrensregeln zur Beurteilung der wissenschaftlichen Anerkennung von Methoden und Verfahren der Psychotherapie.

Kriterium 1: Der Einsatz der Intervention erfolgt bei Personen, die unter einer Störung

mit Krankheitswert leiden, und der beobachtete therapeutische Effekt stellt eine Heilung

oder Linderung dieser Störung dar.

Weiterhin werden Erfolgskriterien nur in soweit berücksichtigt, als sie Rückschlüsse auf die Erreichung des Ziels der „Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert“ erlauben

Kriterium 2: Der beobachtete therapeutische Effekt ist inter-subjektiv feststellbar und

replizierbar. Der Eindruck von Patienten und Therapeuten, dass eine Behandlung erfolgreich ist, ist durch eine kontrollierte Überprüfung mittels objektiver, reliabler und valider Messungen zu belegen.

Kriterium 3: Der erzielte Effekt muss mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die psychotherapeutische Intervention zurückführbar sein (interne Validität).

Es muss ersichtlich sein, dass dieser Effekt tatsächlich auf das untersuchte Behandlungsverfahren zurückzuführen ist und nicht allein oder primär auf andere Bedingungen, die – zufällig oder nicht zufällig – gegeben waren. Dies wird in der Regel dadurch nachgewiesen, dass in einer Serie von Einzelfalluntersuchungen ein systematischer Zusammenhang zwischen Methodenanwendung und Effekt gezeigt wurde. Diese Überprüfung kann grundsätzlich unter Forschungsbedingungen oder Praxisbedingungen erfolgen.

Kriterium 4: Die untersuchte psychotherapeutische Intervention ist in der Praxis unter

den Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens effektiv durchführbar.

 

Ausblick

Erste Gespräche das gesamte Konzept in eine Fortbildung zu bringen laufen bereits.

Reges Interesse kommt aus der Schweiz, Österreich und Deutschland.

In Österreich und der Schweiz gibt es bereits konkrete Planungsgespräche das Konzept in bereits bestehende bzw. neu zu schaffende Ausbildungen einzubringen, die den Fortbildungsrichtlinien auf Grundlage des Gutachtens des Psychotherapiebeirates vom 2.12.2014 entsprechen.

Da die laufende Studie unsere gesamten Kapazitäten erfordert, sind erst mit deren Abschluss neue Aufgaben geplant.

In der Warteschlange befinden sich derzeit ein Sammelband mit heilenden Geschichten für Kinder sowie die (Weiter)entwicklung eines Therapiespiels für Kinder und Jugendliche.

Von März bis Juli 2017 haben wir ein schon länger geplantes Gruppenkonzept mit einer Gruppe Kinder im Alter zwischen 10 und 11 Jahren mit sehr guten Ergebnissen erprobt.

Auch an dieser Baustelle werden wir nach Abschluss der Studie weiterarbeiten.

 

Der Autor, Uwe Willscheid ist

Psychotherapeut (Logotherapie & Existenzanalyse), Säuglings, Kinder und Jugendlichentherapeut, hat eine Abschluß in Logopädagogik ( PH Linz) sowie in Sandspieltherapie nach M. Lowenfeld (Lowenfeldinstitut Cambridge). Er betreut ehrenamtlich eine Selbsthilfegruppe chronischer Schmerzpatienten und ist Gründer und ist Leiter des Forschungsinstitutes für Sinnzentrierte Kinder und Jugendlichtherapie.

Neben seiner Arbeit in freier Praxis in Wels OÖ studiert er gerade an der Sigmund Freud Universität in Wien/ Linz Psychotherapiewissenschaften im fünften Semester.

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