Jeder, der dich ärgert,
besiegt dich.

Charles Klein


 

 


Das Leben wirklich wegwerfen?

Suizidprävention bei Jugendlichen

 

Dr. Heidi Vonwald und MSc Gerhard Fröhlich

 

Selbstmord! Was aber ist Selbstmord?

Ein Nein auf die Sinnfrage. (Viktor E. Frankl)

 

Die unerträgliche Sinnlosigkeit und Leere des Lebens kann auch junge Menschen in schweren Stunden motivieren, dass sie ihr lebensverneinendes Gedankenspiel mit einem geplanten Suizid durchdenken, um alle Sorgen radikal auslöschen und endlich Ruhe und Geborgenheit finden zu können. Von den sozialen und soziokulturellen Einflüssen besitzt das familiäre Vorbild einen starken Auslösecharakter, da die Idee zum Suizid oft von Generation zu Generation als „Problemlösung“ weitergegeben wird. Aus der Sicht der Logotherapie und Existenzanalyse ist es notwendig, um einen Weg aus der Verzweiflung zu finden, die einzigartige Lebensaufgabe auf dieser Welt bewusster zu machen, die uns inne wohnenden Be-GAB-ungen und Be-RUF-ungen zu erspüren und diese selbsttranszendent in diese Welt einzubringen. Auch braucht es den Paradigmen-Wechsel – in jedem Schicksalsschlag, der sich als Auslöser für einen Selbstmord anbietet, eine Herausforderung zu sehen, die Verpflichtung, den tieferen Sinn der Situation zu suchen, das Leben zu verantworten, einen Grund fürs Leben-Wollen wieder frei zu legen, das „Wozu leben“ wieder spürbar werden zu lassen. Denn:

 

Ein Leben, das sich verströmt, versiegt nie ganz. (Elisabeth Lukas)

 

Frankl verdeutlichte mit seinen bildhaften Metaphern, dass die Ebbe (die Krisensituation) zwar das Riff freilegt, aber die Ebbe nicht die Ursache für das Riff ist. Krisensituationen können sehr wohl als „Lerngeschenke“ interpretiert werden, die uns rufen, unsere Potentiale vermehrt zu entwickeln.

Des Lebens überdrüssig? Krisen werden häufig durch typische Lebenssituationen ausgelöst.

Die gesamte Entwicklung des Menschen verläuft von Beginn an nicht gleichmässig, sondern in unterschiedlich schnellen Schritten. Innerhalb eines neuen Entwicklungsabschnitts kann es zu nachhaltigen Veränderungen für die Jugendlichen kommen; diese Herausforderungen sind für die gesamte Entwicklung des Menschen von Bedeutung, da nur über diese – oft heiklen und kritischen – Phasen die nächste Entwicklungsstufe erreicht werden kann. Diese schwierigen Abschnitte sind in der Regel noch nicht mit Krisensituationen gleichzusetzen, jedoch können sie sich in ihren Verläufen zu psychosozialen Krisen zuspitzen. Die wahrscheinlich bedeutendste Entwicklungsphase eines Menschen ist die Pubertät; aus dieser Kenntnis heraus ist es sinnvoll, die Pubertäts- oder Adoleszenzkrise genauer unter die Lupe zu nehmen.

In dieser Zeit ist die Auseinandersetzung mit der genitalen Reifung der Sexualität und dem anderen Geschlecht ein zentrales Thema. Die damit verbundenen Enttäuschungen (Ent-Täuschung – die Vorführung der „Wahrheit“?) und Kränkungen können rasch erfolgen, wie auch vermehrte Selbstzweifel und Stimmungsschwankungen. Auf andere Menschen mag dies wie „Launenhaftigkeit“ wirken. Laien sind die tiefer liegenden Gründe meist nicht annähernd bewusst. Auch wird häufig „mehr des Selben“ getan, typisch „wenn die Lösung zum Problem wird“ (Paul Watzlawick).

Der junge Mensch ist auf der Suche nach für sich passenden Werten und Ideologien, kommt aber nicht an bestehenden Ideologien vorbei. Er erlebt dabei die ganze Spannbreite zwischen völligem Aufgehen im System oder Ausbruch. Spätestens in dieser Phase der Ambivalenz kommt es vermehrt zur Frage nach dem Sinn des Lebens.

Wie Frankl schon aufzeigte, wenn von Menschen nach dem Sinn des Daseins ausdrücklich gefragt wird, dann wurde an ihm auch schon irgendwie gezweifelt. Und dieser Zweifel an der Sinnhaftigkeit menschlichen Daseins führt leicht zur Verzweiflung und kann in Suizidideen enden. Die nahen Bezugspersonen reagieren nur all zu oft mit Hilflosigkeit, missverstehen die Symptome.

 

Je mehr du versuchst zu überzeugen,

desto unglaubwürdiger wirst du.“

(Humberto Maturana.)

 

Auch wenn es in dieser Entwicklungsphase zu dramatischen Zuspitzungen kommen kann, bewältigen die meisten jungen Menschen diese ohne erhebliche Gefährdung für ihre weitere Entwicklung