Jeder, der dich ärgert,
besiegt dich.

Charles Klein


 

 


Faktoren, die den Adoleszenzverlauf nachhaltig beeinflussen und gegebenenfalls zu Auslösern für Krisen werden können

(nach Gernot Sonneck):

 

  • Die emotionale Bindung in der Familie, das Ausmass an Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit. Negativ auswirkend sind ein autoritär-repressiver Erziehungsstil bzw. ein vernachlässigend-unbeachtender Umgang mit Kindern und Jugendlichen.

Paul Watzlawick ergänzt dazu: „In einer stabilen symmetrischen Beziehung sind die Partner imstande, den anderen in seinem Sosein zu akzeptieren, was zu gegenseitigem Respekt und Vertrauen in den Respekt des anderen führt und damit zu einer realistischen gegenseitigen Bestätigung der Ich- und Du-Definitionen.“

 

  • Die Identifikation mit der eigenen Geschlechterrolle sowie die Auseinandersetzung der genitalen Sexualität, der Männlichkeit bzw. Weiblichkeit.

  • Kontaktanbahnung zu Gleichaltrigen beiderlei Geschlechts. Probleme und Konflikte in der Herstellung und Aufrechterhaltung von Beziehungen können grössere Krisen auslösen („Liebeskummer“).

  • Erfolgs- oder Misserfolgserlebnisse bei der Suche nach Leit- und Vorbildern.

  • Bedürfnis nach Gruppennähe – ein Mitglied derselben sein - ist in dieser Zeit stark ausgeprägt, Gefahr der Vereinnahmung durch Sekten, Drogenkonsumkulturen und dgl.

  • Auseinandersetzung der Jugendlichen mit Normen und Werten der Gesellschaft.

Die Frage der Anpassung an gegebene Gesellschaftsnormen ist von hoher Bedeutung, nach dem Leistungsprinzip zu leben davon geht ein starker Druck aus. Andere Wertvorstellungen werden dadurch in den Hintergrund gedrängt.

Was bedeutet das konkret für den jungen Menschen? Es ist für ihn eventuell unter den aktuell wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen schwierig, sinnvolle Lebensinhalte zu finden. Die Situation am Arbeitsmarkt (Jugendarbeitslosigkeit – insbesondere in Lehrberufen), mit ihren erhöhten Leistungsanforderungen samt Existenzdruck, verbunden mit einem Freizeitangebot, welches nahezu kommerziellen Interessen dient, führt dazu, dass es für junge Menschen immer schwerer wird, Zeit und Raum für ihre ureigendste, einzigartige Entfaltung zu finden. Der Verlust der Traditionen unterstützt die Sinnfindungskrisen, das existentielle Vakuum. Und dennoch wissen wir, dass Menschen mit hoher Resilienz (lat. von resilire – sich wieder aufrichten) sich auch unter schwierigsten Bedingungen gesund entwickeln können. Die individuelle Lerngeschichte des Jugendlichen ist ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Krisen:, Wie ging er mit früheren Krisen um, welche Erfahrungen konnte er aus der Bewältigung von Krisensituationen mitnehmen, die er sich in der aktuellen Krise zu nutzen machen kann.

Schon der Schüler von Martin Heidegger, Hans-Georg Gadamer wies auf die besondere Bedeutung des Innerlich-Ausgesöhnt-Seins hin: „Die innere Verfassung des Menschen und seine Gemeinschaftsfähigkeit sind im Grunde eins. Nur wer mit sich selbst Freund ist, kann sich dem Gemeinsamen einfügen. … Freundschaft mit sich selbst. Sie hat nicht zu tun mit Selbstliebe oder Eigenliebe, ja sie meint das genaue Gegenteil davon. Wer mit sich selbst nicht Freund, sondern mit sich selbst verfallen ist, ist gerade zu keiner Hingabe an andere und zu keiner Solidarität fähig. Hier scheint mir der tiefste Grund der Selbstentfremdung zu liegen, die wir im modernen Zivilisationsleben sich ausbreiten sehen, und umgekehrt liegt hier die unverlierbare Chance unser aller, inmitten der durch nicht zu beschönigen den Zwangsformen unserer modernen Gesellschaft die eigene Tätigkeit mit dem Bewusstsein eines eigenen Sinnes zu erfüllen.“