Lebe so,
als ob du zum zweiten Male lebtest
und das erste Mal
alles so falsch
gemacht hättest,
wie du es zu machen –
im Begriffe bist!

Viktor E. Frankl




 

 


Frankl spricht von der Trias des Versagens:

  • Arbeitsunfähigkeit

  • Genussunfähigkeit

  • Leidensunfähigkeit

Selbstvorwürfe und Vorhaltungen der Umwelt verstärken noch diese Insuffizienzen.

 

Umgang mit jungen Menschen in Krisen

Viktor E. Frankl organisierte 1930 eine Beratungsaktion für SchülerInnen zu Schulschluss – und erstmalig war in Wien kein einziger SchülerInnen-Suizid passiert.

Aus zahlreichen Forschungen wissen wir, dass in einer Psychotherapie mit der Beziehungsqualität alles steht oder fällt. In der Fachliteratur wird immer wieder davor gewarnt, als professionelle HelferInnen die Rolle des „Kumpels“ einzunehmen.

 

Irivin Yalom vertritt eine schöne Ansicht:

Ich betrachte meine PatientInnen und mich am liebsten als gemeinsam mit mir Reisende. Ein Begriff, der die Unterscheidung zwischen „oben“ in der Hierarchie und „unten“ aufhebt.“

 

Die erste und wesentlichste Voraussetzung für eine zukünftig gelingende Arbeitsbeziehung in der Psychotherapie ist der Kontakt. Geduld und wertschätzende Zuwendung sind notwendig. Gespielte Gleichgültigkeit, Grossspurigkeit oder gar Feindseligkeit sind für Jugendliche häufige Verhaltensweisen, um die eigene Bedürftigkeit zu verbergen. Authentisches Bemühen, den jungen Menschen in seiner Einzigartigkeit zu verstehen, ist die einmalig richtige Antwort - nur so kann zur Mitarbeit motiviert werden und das notwendige Vertrauen hergestellt werden, als Basis für einen tragenden, nachhaltigen Veränderungsprozess.

 

Der Hinweis auf die zeitliche Begrenztheit der Krisenintervention ist insofern hilfreich, als der junge Mensch sich dadurch ein Gefühl der Kontrolle und Autonomie bewahren kann, da er sich nicht auf einen längeren Prozess einlassen muss, wenn er nicht möchte. Auch ein einmaliger Kontakt kann bereits wichtige Weichenstellungen ermöglichen oder die Option aufzeigen, sich zu einem späteren Zeitpunkt doch noch Unterstützung zu holen.

Es hat sich als günstig erwiesen, für das Erstgespräch genügend Zeit einzuplanen. Ein guter Zugang ergibt sich zumeist über Themen des Alltags bzw. über die Vorlieben der Jugendlichen. Das Interesse muss jedoch authentisch sein, sonst wirkt es anbiedernd.

 

Sebastian, 17 Jahre, sass bereits im Rollstuhl, als ich ihn kennen lernte. Aus seiner damaligen Sicht hatte er leider den Sprung mit seinem Snowboard in die Tiefe überlebt. Seine Mutter brachte ihn. Schon auf der Strasse, wo ich ihn abholte, sagte er mir, dass er mit mir nicht, absolut Nichts sprechen werde. Ich fand diese Paradoxie amüsant. Auf meine Frage, ob er zu mir in die Praxis möchte oder ins Café nebenan, wählte er das Café. Ich dachte: ein weiterer Erfolg. Was Sebastian nicht wusste, das Café gegenüber ist ein Behinderten-Café. RollstuhlfahrerInnen, die servieren. Im Café haftete sofort sein Blick an einer Zeitung über Traktoren. Über dieses Thema kamen wir in Kontakt. Er war der begeisterte Fachmann, der mein Wissen aufbesserte.

 

Ähnlich war es mit Janine, 16 Jahre, auch sie kündigte an, gar Nichts mit mir zu sprechen. Ich habe zwei Katzen. Janines Liebe zu Tieren war unser Türöffner.

 

Die Hirnforschung bestätigt uns, dass nur mit Begeisterung im Zellkern das neuroplastische Eiweiss gebildet werden kann, das für neuronale Umstrukturierungen, für Lernergebnisse erforderlich ist. Nachhaltige Lebensveränderung braucht echte Begeisterung, ein Sich-selbst-Vergessen-Können, ein volles Sich-Hingeben – wie Frankl schon lange erkannte.

 

Nicole, 17 Jahre, die Schulschwierigkeiten waren der Auslöser für den Suizidversuch. Die Psychotherapie legte offen: sie hatte grosse Sehnsucht ihren Vater kennen zu lernen. Dies gelang ihr schnell über Facebook. Er war ägyptischer Abstammung. Ihr Wunsch Arabisch zu lernen, um ihre „neue“ Verwandtschaft in Afrika besser kennen lernen zu können, war ihr ein enormer Antrieb.