Lebe so,
als ob du zum zweiten Male lebtest
und das erste Mal
alles so falsch
gemacht hättest,
wie du es zu machen –
im Begriffe bist!

Viktor E. Frankl




 

 


Der Selbstmord ist zwar todesmutig, aber er ist lebensfeig .“

(Viktor E. Frankl)

 

Blosse Gegebenheiten könnte man aus der Welt schaffen, wenn sie sich als unpassend erweisen, aber das einem Aufgegebene kann man nur erfüllen oder nicht erfüllen, und beides bleibt in der Welt, die eigene Leistung genauso wie das eigene Versagen. Es ist tatsächlich ähnlich wie beim Selbstmörder, der auch niemals ein Problem löst oder das Negative, das ihn belastet, aus der Welt schafft, sondern immer nur sich selbst aus der Welt schafft, und das ungelöste – von ihm ungelöste – Problem, die Last des Negativen in der Welt zurück lässt… Ein Soll ist nicht zum Sein gekommen.“ (Lukas 1989, S 145 f)

 

Depressive Reaktionen

 

Selbstmordfantasien sind die letzte Hoffnung, wenn alle anderen Mittel
die Bürde des Alleinseins nicht erleichtert haben.“

(Erich Fromm)

 

Die depressiven Neuerkrankungen bei jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren (gerade in den Städten) bringen uns Frankls Gedankengut sehr nahe: Verlust an inneren, haltgebenden Kräften, wie traditionelle Werte, kulturelle Üeberlieferungen, geistige Ideen – wo die Wertigkeit des Habens zu viel an Bedeutung einnimmt und Einsamkeit im Gedränge entsteht. Die leichter werdende Konsumierbarkeit durch die Medien haben auch eine zunehmende körperliche Inaktivität zur Folge. Das Übermass an Bildern in den Medien regt nicht zu eigenem Handeln an, kann kaum für eine Aktivität wirklich begeistern. Das Wahrnehmungsleben ist sensationell, rast von einem Höhepunkt zum anderen, nur das wirklich gelebte Leben wird ärmer, eintöniger, langweiliger, sinnlos. Die einsetzende, lähmende Schwermut zieht das Wollen, Fühlen und Denken in die Tiefe. Selbstmordabsichten kommen allein aus dem Inneren. Zunächst erschrecken sie noch, dann können diese Gedanken für depressive Menschen in jedem Alter als der letzte und einzige Ausweg erscheinen.

 

Permanente Misserfolgserlebnisse im schulischen Bereich, das Scheidungsklima der Eltern, die fehlende Möglichkeit sich aussprechen zu können, tun das Übrige um der Auslöser für suizidale Handlungen zu sein. Für Jugendliche gilt ebenso wie für Erwachsene das Konzept des präsuizidalen Syndroms nach Erwin Ringel (Einengung: situativ, dynamisch, Einengung der Wertewelt und der zwischenmenschlichen Beziehungen; gehemmte und gegen die eigene Person gerichtete Aggression; Selbstmordfantasien).