Ein Leben, das sich verströmt, versiegt nie ganz.

Elisabeth Lukas




 

 


Wieder-Einstieg in das Leben – logotherapeutische Ansätze

 

Vom Haben loslassen kann nur einer,

der im Sein zu Hause ist.“

(Elisabeth Lukas)

 

Tief in uns ist - wenn vielfach auch unbewusst - verwurzelt - dass wir mit unserem genetisch angelegten Potential in unserer Welt etwas bewirken, positive Spuren hinterlassen möchten, etwas das Bestand hat und sinnvoll ist.

Jeder Einzelne kann durch (meist mutige) Entscheidungen und reale Taten und viel Ausdauer die Weltgeschichte, wenn auch vielleicht nur im ganz Kleinen, verändern! Junge Menschen sehnen sich häufig danach, einen besonderen Lebensweg einzuschlagen, der die Einzigartigkeit in der Persönlichkeit zum Ausdruck bringt. Jugendliche müssen sich verwirklichen, im positiven Wirken in dieser Welt. Sinnvoll zu leben, Sinnvolles zu gestalten zählt zu den grundlegendsten Motiven des Menschen.

In seiner Antrittsrede 1994 erinnert uns Nelson Mandela, dass unsere tiefste Angst nicht die Dunkelheit ist, sondern dass wir über unser Licht erschrocken sind. Nur es braucht die Lichtkraft der geistigen Erkenntnis, um über die dunkle Schwere hinweg zu helfen, die den Suizid möglich macht.

 

Franca, 16 Jahre, war eine „gescheiterte Existenz“ (wie sie sich nach dem Suizidversuch, nach dem Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik, bezeichnete). Die Eltern hatten ihr nach ganz viel Mühe eine „saubere“ Arbeit im Büro vermittelt. Jeden Tag fuhr sie mit Angst zur Arbeit, - dass diese Firma sehr angesehen war, konnte sie nicht trösten. „Dass das Arbeitsleben hart ist“ (Aussage der Eltern) verstärkte ihren Willen noch mehr, so nicht weiterleben zu wollen/zu können. Auf Grund der Psychotherapie wechselte sie in den Beruf. „Malerin und Anstreicherin“ – ganz unweiblich für diese junge, attraktive Frau. Sie wurde nach dem „Schnuppern“ sofort angestellt. Mit viel Freude fährt sie nun täglich den weiten Weg zur Arbeit (eine Strecke von fast 60 min) – im Zug. Während der Fahrt möbelt sie ihre Italienisch-Kenntnisse auf, da sie mit vielen italienisch sprechenden KundInnen Kontakt hat.— Wenn uns Begeisterung entzündet, ist kein Weg zu weit.

 

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass sich auf unsere Arbeitsleistung folgende Faktoren besonders NEGATIV auswirken:

Wachsende Angst reduziert unsere Fähigkeiten.

Je stärker der Druck, desto mehr leidet das Leistungs- und Denkvermögen, wir sind behindert im flexibel und kreativ reagieren, können nicht mehr so effektiv planen und organisieren.

Sind wir von Ärger, Kummer, Groll ergriffen, gerät unsere geistige Beweglichkeit ins Stocken.

Extremzustände von Angst, Wut, aber auch von Traurigkeit reduzieren die Fähigkeit unseres Gehirns.

Auch Langeweile, Sinnloses lässt unsere Motivation schwinden.

 

Schlecht gelaunte Lehrende haben eine negative Ansteckung, zusätzlich konzentrieren sie sich mehr auf Fehler. Emotionale Bedrängnis erstickt unsere Leistungsfähigkeit.

 

Roland, damals 15 Jahre, war Sozialwaise, war fremd untergebracht, - und gescheitert in der Schule. Seine drogenabhängigen Eltern konnten nicht für ihn sorgen. Vor über 20 Jahren kam er nach einem gescheiterten Suizidversuch in Psychotherapie. Er war ein „Hundeflüsterer“. - die Arbeit im Tierheim „heilte“ ihn. Es brauchte nur ein Jahr, bis er wieder seine Leidenschaft für seinen Schulabschluss fand. Inzwischen ist Roland Tierarzt, verheiratet, hat mit seiner Frau drei Kinder, alle sorgen sich u. a. Um zwei Hunde, eine Katze, ein Pferd und drei Meerschweinchen.